NaturAkademie Freital
24. März 2022

NaturAkademie Freital

Das Gänseblümchen – Frühlingsverkünder, Wildgemüse und Heilpflanze zugleich

So unscheinbar es wirkt, so ist das Gänseblümchen doch ein köstliches Wildgemüse und wunderbares Heilmittel zugleich. Es ist eine Pflanze, die sich immer wieder aufrichtet, so oft sie auch getreten wird, und diesen Regenerationswillen verkörpert sie auch in der Therapie. Vor allem in der Kinderheilkunde hat sich diese Pflanze bewährt.

Biologie

Das Gänseblümchen (Bellis perennis) zählt zu den Korbblütlern und kommt auf Wiesen in fast ganz Europa vor. Die kleine krautige, ausdauernde Pflanze wird 10-15cm hoch und bildet eine Blattrosette mit rundlich bis rundlich-herzförmigen Blättern. An längeren Blütenstielen sitzen einzelne Blütenköpfchen mit ihren gelben Scheibenblüten, welche von weißen, an den Spitzen oft rötlichen, zungenförmigen Strahlenblüten umgeben sind.

Der Gattungsname „Bellis“ ist vom lateinischen „bellus=schön“ abgeleitet. „Perennis“, ebenfalls aus dem lateinischen, bedeutet „das ganze Jahr hindurch, dauernd“ und bezieht sich auf die fast ganzjährige Blütezeit des Gänseblümchens. Der deutsche Name erinnert an den häufigsten Standort, die Gänsewiesen.

Droge

Genutzt werden die Gänseblümchenblüten und -blätter. Die Ernte ist das ganze Jahr über möglich, im Allgemeinen erfolgt sie aber von April bis September. Um den Johannistag (24. Juni) herum soll sie ihre höchste Wirkung entfalten, da steht sie auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung. Die Blüten riechen süßlich, sie schmecken leicht säuerlich und aromatisch.

Inhaltsstoffe, Wirkungen und Indikationen

Das Gänseblümchen enthält Saponine, Gerb- und Bitterstoffe, Flavonoide, Schleimstoffe, wenig ätherische Öle, organische Säuren und Vitamin C. Es wirkt entzündungshemmend, zusammenziehend, stoffwechselfördernd, schmerz- und juckreizstillend. Dadurch eignet es sich hervorragend zur Behandlung von Hauterkrankungen wie Milchschorf, Ekzemen, Akne oder bei Insektenstichen. Außerdem machen seine schleimlösenden und auswurffördernden Eigenschaften die Pflanze zu einem guten Mittel bei festsitzendem, verschleimten Husten. Bei allen Stoffwechselleiden kann das Gänseblümchen gute Dienste leisten. Die Anwendung erfolgt als Tee, Blütenhonig oder Wildgemüse bei Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen und zusätzlich durch Umschläge bei allen Hauterkrankungen.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen sind keine bekannt.

Geschichte und Mythologie

Erwähnt wird das Gänseblümchen bereits 1543 im Kräuterbuch des Leonhard Fuchs, der es als Wundheilmittel, gegen Kropf und Hüftweh empfiehlt. In früheren Zeiten galt die Pflanze als fiebersenkend, wurde bei Leberentzündungen und gegen alle Arten von Schmerzen eingesetzt. Vermutlich wurde es auch gegen Abtreibungen eingesetzt, was dazu führte, dass es nach einer Verordnung von 1793 ausgerottet werden sollte. Das sollte allerdings nicht gelingen.

Das Gänseblümchen ist eine Blume, die mit Reinheit und Unschuld assoziiert wurde. Im frühen Christentum war es der Jungfrau Maria zugeordnet, was sich auch im Volksnamen „Marienblümchen“ ausdrückt. Vor der Christianisierung war das Gänseblümchen der Freia und der Ostara geweiht. Es stand also in Beziehung zur Göttin der Liebe und der Frühlingsgöttin, die eine Personifikation der aufsteigenden Sonne im Frühjahr war.

In Schlesien wird die Pflanze auch Osterblümel als ein Verkünder des Frühjahrs genannt. In England heißt es „Wenn Du mit einem Fuß auf sieben Gänseblümchen treten kannst, dann ist Frühling“. Das kleine Blümchen gilt als Symbol der Widerstandskraft. Jahr für Jahr erhebt sich das Blümchen im Frühjahr neu, egal wie oft es getreten wurde. Es erhebt sich und lächelt. 😊

Gerade jetzt warten die vielen kleinen Gänseblümchen auf der Wiese auf den Neustart. Warten auf die Sonne, dass sie ihre kleinen Köpfchen in Richtung Sonne strecken und auch darauf, dann von uns beachtet und genutzt zu werden. Ein Wildkräutersalat mit Gänseblümchen sieht nicht nur toll aus, sondern schmeckt auch super lecker!

Wer weitere Pflanzen kennenlernen möchte, kann sich gerne einer unserer Kräuterwanderungen anschließen. Ich freu mich auf Sie!
Wer gleich mehr erfahren möchte, kann auch mein Buch „Die Apotheke vor unserer Haustür“ bestellen.

Bis bald, Ihre Katrin Seemann

Katrin Seemann
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